Inhalation von Sole bei Patienten mit obstruktiven
Atemwegserkrankungen
Klinische Studie zur Prüfung der Wirksamkeit von Bad Reichenhaller
Sole als Begleitbehandlung
Prof. Dr. Rainer W. Hauck
Kreiskrankenhaus Bad Reichenhall
Dr. Johannes Kerschl
Reha-Klinik Prinzregent Luitpold
Prof. Dr. Wolfgang Petro
Klinik Bad Reichenhall der LVA Ndb./Opf.
Einleitung
Husten und Auswurf stellen die häufigsten Atemwegsbeschwerden
dar, die im medizinischen Alltag vom Patienten geäußert
werden.
Als Ursache für diese Beschwerden kommt eine ganze Reihe von
Ursachen in Frage. Am häufigsten treten diese Beschwerden im
Gefolge bronchitischer Infekte auf und bilden sich in den meisten
Fällen auch wieder vollständig zurück, wenn die Erkrankung
wieder abgeklungen ist.
Daneben gibt es aber gleichfalls eine große Anzahl von Menschen,
die eine sogenannte chronische Bronchitis aufweisen. Bei diesen
Patienten handelt es sich in einem großen Prozentsatz um Raucher,
die sich den Hustenmechanismus zu nutze machen, um die regelhaft
in den Atemwegen auftretende Produktion von Schleim wieder loszuwerden.
Bei schweren Atemwegsinfektionen ebenso wie bei der chronischen
Schädigung der Atemwege kommt es dazu, dass der Härchenapparat
in Luftröhre und Bronchien beschädigt wird und eine z.
T. erhebliche Funktionsstörung aufweist. In diesen Fällen
besitzt die Lunge nur noch den Hustenstoß als Möglichkeit,
die anfallenden Schleimmengen aus den Atemwegen wieder herauszubringen.
Um diesem Erfordernis gerecht zu werden, sind nicht selten Hilfsmittel
erforderlich. Hierzu zählen einerseits mechanische Hustenhilfen,
die den Abhustvorgang erleichtern, inhalative Medikamente, Tabletten,
Brausetabletten und auch die Anwendung von Inhalationen, die den
Vorgang von Schleimlösung und Abhusten unterstützen sollen.
Schon seit langer Zeit ist bekannt, dass bei solchen Patienten
häufig die Inhalation von Kochsalzlösung in physiologischer
(0,9 %iger) besonders aber in höher konzentrierter Menge (hyperosmolar)
hilfreich ist. Neben der Inhalation von Kochsalzlösung hat
sich in der Umgebung von solehaltigen Quellen auch die Inhalationsbehandlung
mit Sole-Lösung etabliert. Hintergrund dafür ist, dass
es Untersuchungen mit anderen, ähnlichen Salzlösungen
gibt, die gezeigt haben, dass mit ihrer Hilfe die Regeneration des
Atemwegsepithels verbessert werden kann, ebenso wie sie auch mithelfen,
die Sulfit-Brücken im Schleim zu sprengen und dadurch die Sekrete
in eine weniger zähe Substanz umzuwandeln.
Auch bei Patienten, die schwerere, obstruktive Atemwegserkrankungen
aufweisen, berichten, dass sie neben der üblichen, medikamentösen
Atemwegsbehandlung günstige Einflüsse verspüren,
wenn sie parallel zu dieser Therapie Inhalationen mit Sole-Lösung
durchführen.
Aus diesem Grund war es von Interesse, Patienten, die wegen akuter
Verschlechterung ihrer Atembeschwerden oder im Rahmen pneumologischer
Rehabilitation stationär aufgenommen worden sind, neben ihrer
üblichen Atemwegsmedikation auch noch mit täglichen Sole-Inhalationen
zu behandeln und zu prüfen, wie sich dieser Behandlungsschritt
auf das Befinden und den Abhustvorgang auswirkt.
Um Sole-Inhalation in seiner kürzer dauernden Anwendung, dass
heisst Anwendung für akute bronchitische Beschwerden zu überprüfen
und auch in seiner Anwendung über einen längeren Zeitraum,
das heißt für mehr chronische Krankheitszustände,
wurden Patienten aus einer Akutklinik und 2 Rehabilitationskliniken
untersucht.
Welche Kliniken und welche Patienten?
An der Studie nahmen 3 Kliniken teil. Am Akutkrankenhaus, dem Kreisklinikum
Bad Reichenhall. Medizinische Abteilung 2 wurden 21 Patienten mit
chronisch obstruktiver Lungenerkrankung untersucht. In der Rehabilitationsklinik
Prinzregent Luitpold waren es 26 Patienten. 3 davon wiesen Asthma
auf, 23 eine chronisch obstruktive Bronchitis. Die meisten von diesen
Patienten wiesen einen mittleren Schweregrad auf. In der Klinik
Bad Reichenhall wurden 30 Patienten untersucht, 20 davon mit Asthma,
10 mit einer chronisch obstruktiven Bronchitis.
Entsprechend dem Behandlungsprofil einer Akutklinik wurden die
dort behandelten Patienten eine Woche lang mit Sole-Inhalation (Konzentration
1,5-2%, Rauminhalation 15-10 Minuten, Apparateinhalation Mund/Nase
je 10 Minuten) therapiert, wogegen dieser Zeitraum in den beiden
Rehabilitationskliniken 3 Wochen betrug.
Wie wurde die Wirkung von Sole untersucht?
Alle Patienten füllten zu Beginn der Studie einen Fragebogen
aus, mit dem es möglich war, den Schweregrad der Erkrankung
und den durch diese Erkrankung hervorgerufenen Schweregrad in der
Behinderung für das tägliche Leben abzuschätzen.
Anschließend erhielten die Patienten Lungenfunktionsmessgeräte
(Peak Flow Meter), die jeweils vor und direkt nach der Inhalation
mit Sole zur Anwendung gebracht wurden. Anhand der erzielten Messwerte,
konnte der Einfluss der Sole auf die Lungenfunktion bestimmt werden.
Am Ende der 7-tägigen bzw. 21-tägigen Behandlungsdauer
wurde den Patienten ein zweiter Fragebogen ausgehändigt, auf
dem sie Fragen beantworten mussten, die ganz spezifisch darauf ausgerichtet
waren, wie durch die Inhalation von Sole das Empfinden der Atmung
sich verändert hat, der Abhustvorgang durch den Patienten durch
Soleinhalation beeinflusst wird, sich durch die Inhalation die Zähigkeit
des Schleims verändert und sich die Inhalation auf das Allgemeinbefinden
des Patienten auswirkt. Letztlich sollten die Patienten auch ihr
Urteil darüber abgeben, inwiefern die Inhalation mit Sole im
Vergleich zu anderen Schleimlösern ihre Wirksamkeit entfaltet.
Vollständige Lungenfunktionsuntersuchungen wurden bei den Patienten
zu Beginn und am Ende der Studiendauer durchgeführt. Eine begleitende
Pharmakotherapie wurde beibehalten.
Welche Ergebnisse wurden erzielt ?
Sowohl in der Akutstudie als auch in der Beobachtung über
3 Wochen zeigte sich, dass für die überwiegende Anzahl
der Patienten die Inhalation von Sole mit einer Verbesserung der
Lungenfunktion einherging und die subjektive Einstufung durch die
Patienten eine effektive Wirksamkeit auf sowohl Schleimlösung,
Zähigkeit des Schleims und die Verbesserung des Abhustens beschrieben
wird.
Sowohl in der Akut- als auch in der Langzeitstudie war bei Patienten
mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung der günstige Effekt
auf Lungenfunktion, wie auch auf das Befinden der Patienten hinsichtlich
ihrer Atemwegssymptome nachweisbar. Wenn gleich die Therapieerfolge
sich auch nicht ausschließlich auf die Sole-Inhalation zurückführen
lassen, sondern anteilmäßig auch zu Gunsten der begleitenden
medikamentösen Therapie zu bewerten sind, so konnte doch anhand
einiger Testresultate deren Einfluss weitgehend ausgeschlossen werden.
Was sind die wesentlichen Erkenntnisse aus dieser Studie?
Anhand dieser Studie konnte gezeigt werden, dass bei Patienten
mit einer schweren chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung, die
sich wegen einer Verschlechterung ihrer chronischen Erkrankung in
der Klinik vorgestellt haben bzw. die eine pneumologische Rehabilitation
durchliefen, die Inhalation mit Sole-Lösung eine wirkungsvolle
Begleitbehandlung zu der übrigen, medizinisch indizierten Medikation
darstellt.
Sowohl Fragen, die subjektiv die Besserung von Atmung, Abhustqualität,
Schleimzusammensetzung und Allgemeinbefinden ausdrücken, wurden
von der überwiegenden Mehrzahl der Patienten positiv bewertet.
Ebenso auch verschiedene Lungenfunktionsparameter, die eine Verbesserung
direkt nach Inhalation von Sole ergaben.
Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung und vermehrter
Schleimsekretion haben das Unvermögen, die zähen Sekrete
effektiv aus den Atemwegen zu befreien. Hier erwies sich die Sole-Inhalation
als ein Therapieelement, das im Verbund mit den übrigen Atemwegsmedikamenten
nachweisbar zu einer Verbesserung der klinischen Beschwerden führt.
Nachdem in dieser Untersuchung sowohl Patienten mit höheren
Schweregraden, als auch leichter Erkrankte eingeschlossen werden
konnten und die Therapieerfolge sich unabhängig von dem Schweregrad
des Krankheitsbildes abbildeten ist es zulässig, Sole-Inhalationen
für alle Schweregrade der chronisch obstruktiven Bronchitis
zu empfehlen. Daneben gestatten die Ergebnisse aus den 3 Studienzentren
die Beobachtung, dass der Effekt von Soleinhalationen in der Frühphase
der Behandlung einen größeren Effekt aufweist und sich
somit die Behandlungsmaßnahme als besonders wirkungsstark
zu Therapiebeginn hin darstellt.
Zusammenfassend konnte anhand dieser Untersuchung an einer großen
Anzahl von Patienten mit chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen
zeigen, dass Sole-Inhalation eine wirkungsvolle Ergänzung in
der Therapie von obstruktiven Atemwegserkrankungen darstellt. Nebenwirkungen
dieser Behandlungsform konnte bei keinem Patienten festgestellt
werden.
Kernaussagen zur Solestudie
- In der Bad Reichenhaller Sole-Studie wurde die Sole-Inhalation
bei Patienten mit leichten mittleren und schweren Ausprägungen
von obstruktiven Atemwegserkrankungen untersucht. Sie erwies sich
bei allen Schwergraden als eine sinnvolle Ergänzung der eingesetzten
Atemwegsmedikamente.
- Bereits unmittelbar nach Sole-Inhalation konnte anhand von
Lungenfunktionsmesswerten gezeigt werden, dass es zu einer Verbesserung
der Lungenfunktion kommt.
- In Befinden - Fragebögen brachte die Großzahl der
Studienpatienten zum Ausdruck, dass sie eine subjektive Befindlichkeitsverbesserung
nach Sole-Inhalation verspüren, die sich ausdrückt in
einer leichteren Abhustbarkeit der Sekrete, einer Verringerung
der Zähigkeit des Schleims als auch darin, dass durch die
Inhalation ein freieres Durchatmen möglich ist. Die Patienten
fühlten sich nach der Inhalation insgesamt frischer und die
Sole-Inhalation brachte in vielen Fällen für die Patienten
eine größere schleimlösende Hilfe, als andere
klassische Mukolytika.
- Insbesondere in der frühen Phase einer Verschlechterung
bronchitischer und asthmatischer Beschwerden stellt sich für
die Patienten ein spürbarer Therapiefortschritt dar.
- Nebenwirkungen der Sole-Inhalation konnten bei keinem der untersuchten
Patienten festgestellt werden.
- Sole-Inhalation ist ein preisgünstiges nebenwirkungsfreies
und wirkungsvolles Verfahren in der Therapie von bronchitischen
Beschwerden, das andere Atemwegstherapeutika effektiv in ihrer
Wirkeigenschaft unterstützt.
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